Das kleine japanische Dorf Iwama gilt als Geburtsort des modernen Aikido. Der Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba O`Sensei, baute nach 1942 hier sein Haus, sein Dojo und den Aiki-Jinja, einen Schrein als Kraftzentrum des Aikido. Hier hat er, wie er immer wieder betonte, sein wahres Budo geschaffen. Er nannte es „Takemusu Aikido“. „Take“ bedeutet Krieger, „musu“ gebären oder erschaffen: „Takemusu“ ist also die Geburt des Kriegers. Der Weg (Do), die Lebensenergie (Ki) zu harmonisieren (Ai), führt zum Durchbruch (Musu) des tiefsten Persönlichkeitskerns (Take). Der Gründer beschrieb so bildhaft, wie durch Aikido das direkte Erkennen der eigenen wahren Natur erreicht wird. Takemusu ist die Quintessenz des Aikido.
O`Sensei mit Bokken
Takemusu Aikido ist gekennzeichnet durch die gleichberechtigte Kombination und gegenseitige Beeinflussung des waffenlosen Trainings (Tai-Jutsu) mit den Waffentechniken (Buki-Waza). Während die waffenlose Selbstverteidigung überwiegend aus der Vorkriegszeit stammt, entwickelte O`Sensei in Iwama vermehrt Waffenübungen, hauptsächlich bestehend aus Aiki-Ken (Schwert) und Aiki-Jo (Stock). Mitte der fünfziger Jahre hatte der Gründer die Entwicklung seiner Waffentechniken abgeschlossen, seitdem waren sie fester Bestandteil seines Trainings in Iwama.
Zu seinem Nachfolger ernannte O`Sensei den Hausschüler (Uchi-deshi), der von 1946 bis zum Tode des Gründers im Jahre 1969 weit länger als jeder andere bei ihm lebte: Morihiro Saito (1928 - 2002). Dieser legte äußersten Wert auf die exakte Bewahrung von O`Senseis Techniken. Sein Training gilt daher als die reinste Überlieferung des Nachkriegsstils des Gründers. Aufbauend auf Ansätze, die O`Sensei schon entwickelt hatte, perfektionierte Saito dazu eine geniale Didaktik. 1989 gründete er einen eigenen Verband mit dem Namen Iwama-Ryu, um die unverfälschte Tradierung sicherzustellen.

Morihiro Saito